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Richtige Spritztechnik

Blutzuckereinstellung und Wohlbefinden verbessern

Die Anwendung der korrekten Spritztechnik bei Insulin-injizierenden Diabetikern hat wichtige Auswirkungen auf den Erfolg und die Zufriedenheit mit den Therapiemaßnahmen. So zeigt eine neue Studie von Grassi et. al., (wir stellten Ihnen die Studie in Heft „2-15 vor) dass insulinpflichtige Diabetes-Patienten durch eine Korrektur der Injektionstechnik bereits nach drei Monaten mit einer verbesserten Blutzuckereinstellung rechnen können. Die Untersuchungsteilnehmer bestätigten außerdem eine gesteigerte Therapiezufriedenheit.


Methodik der Studie

Im Rahmen der Studie wendete das Forscherteam einen kombinierten Ansatz an, bei dem die Patienten nach der Eingangsuntersuchung in der richtigen Injektionstechnik geschult und auf die kürzest verfügbare Pen-Nadel mit einer Länge von vier Millimetern umgestellt wurden. Drei Monate später wurden die Patienten erneut untersucht. Hierbei wurden ihre Injektionstechnik, der Zustand der Injektionsstellen und ihre psychologische Reaktion auf die 4-mm-Pen-Nadeln sowie deren klinischer Einfluss bewertet.

Am Ende des Untersuchungszeitraums hatten sich der HbA1c-Wert (ein Indikator für die durchschnittlichen Blutzuckerwerte) im Schnitt um 0,58 Prozent (Studienbeginn: 8,49 Prozent, nach 3 Monaten: 7,91 Prozent), der Nüchternblutzuckerwert um 14 mg/dl bzw. 0,77 mmol/l (Studienbeginn: 186,7 mg/dl bzw. 10,36 mmol/l, nach 3 Monaten: 172,5 mg/dl bzw. 9,57 mmol/l) und die täglichen Insulindosis um 2,0 IE verringert. Außerdem zeigte die Mehrheit der Patienten ein verbessertes Verständnis für die Bedeutung der Injektionsnadel, die Pflege der Injektionsstellen, das Vorgehen zur Vermeidung von Komplikationen wie Lipohypertrophien und die Notwendigkeit des Wechsels der Injektionsstelle.


Korrekte Spritztechnik ist ausschlaggebend

Mit der richtigen Injektionstechnik, die auch die Rotation der Spritzstellen und die Einmalverwendung von Nadeln einschließt, können Patienten und Pflegekräfte der Bildung von Lipohypertrophien vorbeugen. Eine Studie von Blanco et. al. kommt zu dem Schluss, dass dadurch Schwankungen des Blutzuckerspiegels reduziert und der Insulinverbrauch gesenkt werden können. Auch kommt es bei mehrfacher Verwendung der Nadeln zu Verformungen und Abnutzung des Gleitfilms, wodurch die Haut geschädigt und die Injektionen schmerzhafter werden können. Der konsequente Wechsel von Nadeln und Spritzstellen trägt deshalb zu erhöhtem Wohlbefinden und gesteigerter Therapiezufriedenheit bei.

Ein wichtiger Aspekt bei der Aneignung einer guten Injektionstechnik ist die Auswahl der Injektionsstelle. Bauch, Oberschenkel, Gesäß und Arme sind die vier Körperbereiche, die für die Injektion von Medikamenten empfohlen werden. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) empfiehlt in seinem Injektionsleitfaden, die bevorzugte Injektionszone in Quadranten einzuteilen (oder Hälften, wenn es sich um Oberschenkel oder Gesäß handelt) und den Quadranten im Uhrzeigersinn jede Woche zu wechseln. Injektionen innerhalb einer Zone sollten im Abstand von jeweils 2,5 Zentimetern zueinander erfolgen, um wiederholte Gewebeverletzungen zu vermeiden. Liegt an einer Stelle bereits eine Lipohypertrophie vor, sollten Patienten nicht in den betroffenen Bereich spritzen.

Mit der Umstellung auf 4-mm-Pen-Nadeln wurde sichergestellt, dass die Patienten das Insulin in das Unterhautfettgewebe und nicht in den Muskel spritzten. Das sorgt für eine zuverlässige Absorption mit vorhersehbarer Aufnahmegeschwindigkeit. Bei einer Injektion in den Muskel wird der Wirkstoff möglicherweise zu rasch aufgenommen, was das Risiko von Blutzuckerschwankungen und Hypoglykämie erhöhen kann. Da die Haut unabhängig von der Dicke der subkutanen Fettschicht zwischen 1,2 Millimetern und drei Millimetern stark ist, dringen 4-mm-Pen-Nadeln auf jeden Fall in das Unterhautfettgewebe vor, wo sie das Insulin zuverlässig abgeben können. Patienten empfinden das Spritzen mit einer 4-mm-Pen-Nadel außerdem häufig als weniger schmerzhaft. Deshalb kann die Nadellänge einen Einfluss auf Spritzkomfort und korrekte Spritztechnik haben. Injektionsablauf

Gemäß der Empfehlung des VDBD sollten Insulininjektionen nach einer Eingewöhnungsphase routinemäßig erfolgen und die folgenden Schritte umfassen:

  • 1. Überprüfen der Injektionsstelle (Sauberkeit, Abstand zur vorheriger Stelle, keine Lipodystrophien oder Hautveränderungen erkennbar)
  • 2. Überprüfen, ob das Medikament der Verordnung entspricht (kurz- oder langwirksames Insulin)
  • 3. Resuspendieren des Insulins (falls nötig)
  • 4. Funktionskontrolle des Pens
  • 5. Einstellen der Dosis
  • 6. Gegebenenfalls Hautfalte anheben (bei Verwendung von 4-mm-Pen-Nadeln nicht erforderlich)
  • 7. Nadel im 90-Grad-Winkel zur Oberfläche der Hautfalte einstechen
  • 8. Insulin langsam und gleichmäßig injizieren
  • 9. Nadel weitere 10 Sekunden in der Haut lassen, nachdem der Injektionsknopf des Pens vollständig heruntergedrückt ist
  • 10. Nadel aus der Haut ziehen
  • 11. Eventuell gebildete Hautfalte loslassen
  • 12. Gebrauchte Nadel sicher entsorgen


Bei älteren oder pflegebedürftigen Patienten werden Injektionen oft von einer Pflegekraft gesetzt. In diesen Fällen wird die Verwendung von Sicherheits-Pen-Nadeln empfohlen, die über einen integrierten Sicherheitsmechanismus verfügen und das Risiko einer Stichverletzung für den Pflegenden reduzieren.


Fazit

Im Rahmen der Veröffentlichung merkten die Autoren der Studie von Grassi et. al. an, dass Patienten bei Arztbesuchen meistens lediglich die Blutzuckereinstellung und eventuelle Dosisanpassungen besprechen, während der Schulung der richtigen Spritztechnik kaum oder nur wenig Zeit eingeräumt wird. Deshalb hatte die Untersuchung das Ziel, den Einfluss einer Korrektur der Injektionstechnik und des Verkürzens der Nadellänge auf die Diabetesbehandlung nachzuweisen. In der Studie wird die Schlussfolgerung gezogen, dass mit großer Wahrscheinlichkeit die Kombination der Maßnahmen (Spritzstellenrotation, Einmalverwendung von Nadeln und Umstellung auf 4-mm-Pen-Nadeln) zu den positiven Ergebnissen geführt hat.

Um optimale Ergebnisse für Diabetes-Patienten zu erzielen, muss ein ganzheitlicher Therapieansatz verfolgt werde. Erfolgreiches Diabetesmanagement im Rahmen einer Insulintherapie sollte sich nicht auf Insulinauswahl und Dosisberechnungen beschränken, sondern auch die Schulung der richtigen Spritztechnik einschließen. Wie die jüngsten Studienergebnisse von Grassi et. al. zeigen, ist die korrekte Injektionstechnik mit entscheidend, um eine gute Blutzuckereinstellung zu erreichen

(J. Bürger-Büsing)